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Ehrung der "Botschafter für gesunden Boden" am Bodentag 2023

von links: Michael Reber, Dr. Andrea Beste, Marion Ruppaner, Max Kainz, Tobias Ruppaner, Josef Friedl, Franz Rösl (1. Vorstand der IG gesunder Boden e. V.)

 

Michael Reber - Landwirt

Nach seinem Abitur 1991 trat Micheal Reber für 15 Monate seinen Zivildienst als Betriebshelfer beim Evangelischen Bauernwerk in Hohebuch an. Dort hat er sich intensiv mit dem Thema Boden und Biogas auseinander gesetzt und sich dazu entschieden, den landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Gailenkirchen in 6. Generation zu übernehmen. 1993 – 1997 folgte sein Studium der Agrarwissenschaften an der Fachhochschule Nürtingen. Dort lernte der jetzt zweifache Familienvater schließlich seine Frau Manuela kennen, mit der er 2003 den Familienbetrieb übernahm. 

Nach seinem Studium investierte er in die Schweinehaltung, weil es „sich rechnete“, ihn ließen jedoch die Themen „Boden“ sowie „Biogas“ nie ganz los. In Folge eines wirtschaftlichen Crashs in der Schweinehaltung 2006, dem Bau der Biogasanlage 2009 und flächenmäßigem Wachstum im selben Jahr, rückte auch der Ackerbau letztendlich mit in den zentralen Fokus des Landwirts. 

Leider machte sich 2011 schon bemerkbar, dass sich klimatisch etwas verändert, was die Erträge nicht nur zum Stagnieren gebracht hat, sondern zum Teil auch rückläufig werden hat lassen. Mit der Biogasanlage und damit verbunden schwereren Maschinen sowie Ernte der gesamten Pflanzen war er mit seinem Wissen an seine Grenzen gekommen. Dies bewegte Micheal Reber 2014 zu der Teilnahme am „Bodenkurs im Grünen“ in Chiemgau. Zu der Zeit war er schon sehr aktiv auf SocialMedia unterwegs. Die wertvollen Erkenntnisse, welche aus dem Kurs hervorgingen, haben ihn dann 2015 dazu bewegt, seine ersten „Gehversuche“ der Veränderung dort zu teilen. 

Mit dem Trockenjahr 2018 folgten viele Anfragen zu seinem Tun, bis hin zu konkreten Anfragen bzgl. Seminaren. Es entstand die Idee, ab April 2019 Seminare auf dem Hof „vom Bauern für Bauern“ anzubieten. Er und seine Frau konnten bis zum ersten Lockdown über 500 Kolleginnen und Kollegen auf dem Hof zeigen, was funktioniert und was noch nicht. Die TeilnehmerInnen waren zu über 50% unter 30 Jahre alt, was eine zusätzliche Motivation dafür war, der nächsten Generation zu zeigen, dass es immer Lösungen gibt. Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum von Flensburg bis in die Schweiz, von Belgien bis zur ungarischen Grenze. Eine tolle Erfahrung!

Die Herausforderungen, welche Corona mit sich brachte und der zusätzlich laufende Betrieb auf dem Anwesen sowie das Betreiben der 750-kW Biogasanlage, brachten die Seminartätigkeiten jedoch größtenteils zum Erliegen. Dafür kommen regelmäßig Berufsschulklassen und Studierende. 

Sein bereits früh erworbenes Wissen rund um das Thema Boden bestärkt den Landwirten darin, den politischen und gesellschaftlichen Themen sowie den Klimaveränderungen mit Zuversicht entgegenzutreten. Biogasanlagen sind für ihn mehr Chance als Risiko im Bodenaufbau, um auch den letzten, wichtigen Schritt Richtung Bio-Landbau zu gehen.  

Seine Gedanken 

  • Er ist dankbar für die vielen Kontakte, die er bisher knüpfen durfte und möchte mit seinem neuen 
  • Projekt, dem Podcast „Boden und Leben“, etwas nachhaltig zurückgeben: Sein Wissen. Es soll weitergegeben und für spätere Generationen erhalten bleiben. 
  • Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt! Alle, die sich um fruchtbare und gesunde Böden kümmern, sollten sich nicht damit beschäftigen, wie z.B. „Regenerative Landwirtschaft“ definiert wird, sondern es sollte Überzeugungsarbeit bei jedem geleistet werden, der sich noch nicht auf den Weg gemacht hat. Jeder darf und jeder kann hier seinen Platz haben - und etwas dabei lernen. 
  • Kommunikation hat keiner gelernt, obwohl es wichtig ist - auch und gerade in der Landwirtschaft! Wir haben 30 Jahre lang vergessen, unser Umfeld mitzunehmen. Die Arbeit wurde mehr, die sozialen 
  • Kontakte weniger. Nach außen schaut das (wirtschaftlich) erfolgreich aus, aber meist haben wir viel vom bäuerlichen Selbstverständnis dabei abgegeben. Auch psychisch ist die Belastung dabei immer mehr geworden.
  • Deshalb: Diversität statt Spezialisierung! Egal ob im Kopf, in der betrieblichen Ausrichtung oder auch ganz konkret auf und im Boden: Vielfalt statt Einfalt – für unser aller Wohlergehen!
  • Der Ausgang und das Ergebnis des Veränderungsprozesses ist offen - ganz bewusst: Gesunder Boden – gesunde Pflanzen – gesunder Mensch und gesunde Tiere! 

Begründung der Jury

  • Seine Motivation, gängige Lehrmeinungen in der Landwirtschaft zu hinterfragen und aufzuzeigen, dass Bauern sich selber auf den Weg machen müssen, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen 
  • Seiner Versuche, Fehler der Vergangenheit öffentlich zu thematisieren und wieder auszugleichen
  • Seinem Engagement, über seinen eigenen Hof hinaus seine Erfahrungen zu teilen
  • Seine praxisnahen Innovationen
  • Seine Bemühungen, den Missing Link zwischen Wissenschaft, Beratung und Praxiserfahrung zu schließen

Marion Ruppaner - Agrarreferentin des BUND Naturschutz i. R.

Marion Ruppaner begann ihr Studium der Agrarwissenschaften 1976 in Kiel. Sie konnte dort ihre Prägung für biologischen Anbau, der ihr im elterlichen Garten vermittelt worden war, im studentischen Arbeitskreis biologisch-dynamische Landwirtschaft vertiefen. Der Austausch mit den Pionieren des Ökolandbaus auf den damals nur wenigen Biohöfen in Schleswig-Holstein festigte ihren Entschluss, den Bioanbau als richtigen Weg für die Landwirtschaft weiter voranzubringen. Dies führte sie auch an die Universität in Stuttgart Hohenheim, wo sie Ende der siebziger Jahre die ersten Vorlesungen zum Biolandbau bei Prof. Kahnt belegte. Einblicke in besonders bodenschonende Landtechnik erhielt sie im Rahmen eines Praktikums beim BIOLAND-Verband, dessen Bundesgeschäftsstelle in den 70er Jahren unter Leitung von Peter Grosch noch bei der Landmaschinenfirma Weichel in Heiningen untergebracht war. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich bereits intensiv mit den Umsetzungsprozessen im Boden.

Mit der eigenständigen Bewirtschaftung eines kleinen bio-dynamischen Gemüseanbaubetriebs im Nürnberger Land und dem Aufbau der Direktvermarktung sammelte sie die praktische Erfahrung, die sie dann 1985 auch zum Landesverband des BUND Naturschutz führte. In ihrer 38-jährigen hauptamtlichen Tätigkeit beim BUND Naturschutz widmete sie sich intensiv der weiteren Verbreitung des ökologischen Landbaus. Fortbildungsseminare für landwirtschaftliche Fachkräfte und Öffentlichkeitsarbeit für Landwirte wie für Verbraucher über die Vorzüge des biologischen Landbaus (Wintervortragsreihen in ganz Bayern) führten zu einer allmählichen Anerkennung des „alternativen“ Landbaus in Bayern als eigene Produktionsrichtung. Durch den Zusammenschluss der vier Verbände des Ökologischen Landbaus in der „Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau“ (agl), den sie als Geschäftsführerin 

voranbrachte, erhielt der Ökolandbau dann endlich auch eine kontinuierliche staatliche Förderung.

Ihr breites Tätigkeitsfeld beim BUND Naturschutz reichte von Agrarpolitik über Artenvielfalt, artgemäße Tierhaltung, gesunde Ernährung, gentechnikfreie Landwirtschaft bis zur Verhinderung problematischer Pestizide und berührte in den letzten Jahren besonders die Bedeutung belebter, humusreicher Böden als Wasserspeicher und Schutz vor Erosion.

Ihre Gedanken

  • Ökologisch bewirtschaftete Böden sind wichtige Voraussetzung zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen.
  • Der Aufbau und die Erhaltung humusreicher Böden wird im Zuge der Klimaveränderung eine noch größere Bedeutung erhalten.
  • Das Wissen um den Ökolandbau muss in den Ausbildungsstätten und bei den Ausbildenden endlich mehr Gewicht bekommen. 
  • Gentechnik in der Landwirtschaft ist ein verfehlter Ansatz, stattdessen bietet die Erforschung des Bodenlebens noch große Schätze zur Bewältigung von Schadstoffproblemen und weiterer möglicher Krisen.
  • Wir alle sind aufgerufen, über den Konsum von – möglichst regional erzeugten - Ökolebensmitteln unseren Beitrag für die Sicherung und weitere Ausbreitung des Ökolandbaus zu leisten und damit zur Gesundung der Umwelt und zum Schutz unserer Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt beizutragen.

Begründung der Jury

  • Umfangreiches Wissen und Erfahrung zum Ökolandbau und lebendigen, humusreichen Böden
    • Hohes persönliches Engagement zur Verbreitung des ökologischen Landbaus in Bayern
    • Einsatz für Sensibilisierung des Verbraucherbewusstseins zur Steigerung des Bioabsatzes
    • Netzwerkerin für eine Veränderung der Agrarpolitik, zur Schaffung günstiger politischer Rahmen- und Förderbedingungen für die Ökologische Landwirtschaft, Vertragsnaturschutz und Kulturlandschaftserhaltung
    Tobias Ruppaner - Landwirt

    Das Thema Landwirtschaft wurde Tobias Ruppaner bei seiner Geburt 1973 in die Wiege gelegt. Er ist auf dem elterlichen Betrieb aufgewachsen, 1988 startete er dann seine Karriere klassisch mit einer Ausbildung zum Landwirt. Später besuchte er die Landwirtschaftsschule und machte seine Meisterausbildung. 1997 übernahm er den Hof seiner Eltern und heiratete seine Frau Stefanie. Drei seiner sieben Kinder treten in seine Fußstapfen, worauf er sehr stolz ist: Seine Tochter Verena macht eine Ausbildung zur Landwirtin, sein Sohn Gabriel besucht die Landwirtschaftsschule und seine Tochter Bernadette studiert ökologischen Landbau in Freising. 

    In den Jahren 1999 bis 2000 erweiterte er seinen Hof mit einem Laufstall. Nach 10 Jahren recht intensiver Landwirtschaft und zunehmenden Problemen mit der Tiergesundheit im Stall entschloss sich Tobias Ruppaner, auf Bio umzustellen. Den entscheidenden Denkanstoß dafür bekam er durch Georg Abermann, der in vielen Vorträgen die Landwirtschaft neu „aufrollte“. Beispielsweise späterer erster und weniger Schnitte und mit den parallel sehr positiven Erfahrungen einer ganzherzigen Güllebehandlung auf Boden, Pflanzen, bessere Grundfuttermilchleistung und Tiergesundheit. 2008 erfolgte die Umstellung auf Bio. Durch die Biolandrichtlinie mit verschiedenen Weidesystemen geriet für ihn auch wieder das Thema Weidehaltung in den Fokus. In Folge einer Wahl wurde er zu einem von 4 Gruppensprechern der Biolandgruppe Immenstadt und BDV-Delegierter für Bioland ernannt.

    2011 widmete er sich der Umstellung von Silage- auf Heuwirtschaft mit Bau einer zusätzlichen Heubergehalle mit Heutrocknung. Ab Mai deselben Jahres lieferte er die Milch seiner 55 Kühe an die Rohmilchkäserei Sellthürner Käskuche. Im Jahr 2018 begann er mit 0,5 ha Gemüse und Kartoffelanbau und insektenschonende Mahd mit Doppelmessermähwerk seiner 76 ha Grünland und 12 ha Streuwiesen. Nach einem Weideseminar vom englischen Savior Institut mit der Sheila Cooke in der Eifel im Jahr 2019 entschied sich Tobias Ruppaner für ein neues Weidesystem, das sogenannte „Holistic planned grazing“. 

    Das folgende Jahr war für ihn noch einmal sehr intensiv: 2020 beteiltigte er sich an dem 3-jährigen Projekt „KuhProKlima“, in dem wissenschaftlich die Auswirkungen von dem HM (Holistic Management) untersucht wurden, und nahm am Bioland-Bodenpraktiker Kurs für Grünland teil. Im Frühjahr 2022 pflanzte er 780 Meter Feldhecken und sparte durch die Einführung von Tag- und Nachtweide ca. 90% Fremdenergie (lt. Uli Mück) ein.

    Seine Gedanken

    • Der Weg, die Artenvielfalt zu erhöhen, hat sich in allen Belangen gelohnt. Durch die Wirtschaftsweise seines Hofes kommt er bei 25 m2 im freien Feld auf über 40 Pflanzenarten - von 11 Pflanzenfamilien. Somit bekommen die Bodenlebewesen vielfältige Wurzelexudate von gesunden Pflanzen, welche wiederum zuträglich für das Vieh sind. Dadurch ist die Landwirtschaft wieder einträglich.
    • In Bayern und in Deutschland müsste es wieder viel mehr Weidevieh geben, um die Artenvielfalt zu erhöhen, weil jede Kuh am Tag mit ihren 8 bis 10 Fladen für 2 bis 2,5kg Insektenmasse sorgt. Beispielsweise als Vogelfutter und Mehrung des Bodenlebens oder als Gegenspieler des asiatischen Laubholzkäfers, der sich (lt. Kreisbauhof) an Autobahnen ausbreitet. Weiter würde sich durch das getrennte Absetzen von Kot und Harn das Bakterien-Pilzverhältnis im Boden hin zu mehr Pilzen verschieben, wodurch der Boden eine bessere Wasseraufnahme, -speicherfähigkeit und -filtrationsleistung bekommen würde. Der Boden braucht den Tritt und die Pflanzen werden durch die Einspeichelung beim Verbiss stimuliert. 
    • Er möchte alle ermutigen,
    - ihre Kühe/Rinder wieder das machen zu lassen, für was sie gemacht sind. Nämlich grasen. Ob auf Grünland oder Acker. 
    - dass Ställe nur so groß sind, wie beweidbare Flächen für eine sinnvolle Beweidung vorhanden sind oder mit Weidemelkständen zu arbeiten. 
    - dass viehlose Ackerbauern sich wieder Viecher anschaffen und diese integrieren.
    - für eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit wenig Fremdenergieeinsatz, verbesserten Ökosystemprozessen, weil nach Mag. Andree Gilhofer, der Boden unmittelbar das Wetter                steuert.

    Begründung der Jury

    • Seine Motivation, gängige Lehrmeinungen in der Landwirtschaft zu hinterfragen und aufzuzeigen, dass Bauern sich selber auf den Weg machen müssen, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen 
    • Seine Bereitschaft, sich immer mehr Wissen zur Gesundheit von Gülle, Boden, Pflanzen und Tieren anzueignen
    • Sein hohes persönliches Engagement zur Weitergabe des angesammelten Wissens
    • Sein Einsatz zur Sensibilisierung des Verbraucherbewusstseins
    • Sein Einsatz für gesunde Tiere (Weidebewirtschaftung/Heu- und Biobetrieb) als Grundlage für gesunde Lebensmittel

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